Als Interim Manager an der Weihnachtsfeier – ja oder nein?

Wenn es gegen Jahresende auf die Weihnachtszeit zugeht, stellt sich mir als Interim Manager fast jedes Jahr dieselbe Frage: Soll oder besser: darf ich am internen Weihnachtsessen teilnehmen?

Auf den ersten Blick scheint das eine Nebensächlichkeit zu sein. In Wahrheit geht es aber um etwas Zentrales: Integration, Zugehörigkeit und Unternehmenskultur.


Warum das Weihnachtsessen so wichtig ist

Das Weihnachtsessen ist weit mehr als ein gemütliches Zusammensitzen mit gutem Essen und einem Glas Wein. Es ist ein sozialer Fixpunkt im Jahreskalender:

  • Kolleginnen und Kollegen kommen abseits des Tagesgeschäfts ins Gespräch

  • Beziehungen werden gefestigt, Vertrauen wird aufgebaut

  • Erfolge werden gefeiert, schwierige Phasen reflektiert

  • Die Unternehmenskultur wird erlebbar, nicht auf Folien, sondern im direkten Miteinander

Gerade für Teams, die ein intensives Jahr hinter sich haben, ist dieser Anlass ein wichtiges Signal:

„Wir gehören zusammen, wir haben dieses Jahr gemeinsam gemeistert.“


Externe Mitarbeitende sind meist ausgeschlossen

Traditionell werden externe Mitarbeitende – etwa von Dienstleistern, Beratungen oder temporäre Aushilfen – häufig nicht zu solchen internen Events eingeladen.

Die Gründe sind nachvollziehbar:

  • Budgetüberlegungen

  • Klare Abgrenzung zwischen internen und externen Rollen

  • Schutz vertraulicher Themen

In vielen Fällen ist das auch völlig in Ordnung. Ein externer Spezialist, der punktuell ein Projekt unterstützt, muss nicht zwingend Teil eines internen Weihnachtsessens sein.


Warum für Interim Manager andere Regeln gelten sollten

Bei Interim Managern ist die Situation jedoch grundlegend anders.

Ein Interim Manager ist zwar formal „extern“, in der täglichen Realität aber oft voll integriert:

  • Er oder sie führt Mitarbeitende, übernimmt Linienverantwortung

  • Trifft unternehmenskritische Entscheidungen

  • Vertritt das Unternehmen nach innen und teilweise nach aussen

  • Ist während des Mandats Teil der Führungsmannschaft

Wenn also ein Interim Manager über Monate eine Abteilung leitet, Projekte verantwortet und das Team durch Veränderungen führt, dann ist es, freundlich formuliert, widersprüchlich, ihn oder sie beim Weihnachtsessen aussen vor zu lassen.


Ein konkretes Beispiel

Stellen wir uns folgende Situation vor:

Eine Abteilung mit 20 Mitarbeitenden wird seit mehreren Monaten von einem Interim Manager geführt. Das Jahr war intensiv, vielleicht sogar belastend: Reorganisation, neue Prozesse, hohe Erwartungen.

Am Jahresende findet die Abteilungs-Weihnachtsfeier statt. Das gesamte Team ist eingeladen, nur der Interim Manager nicht.

Was sendet das für Signale?

  • An den Interim Manager: „Du bist zwar verantwortlich, aber nicht wirklich Teil von uns.“

  • An das Team: „Unser Leiter ist austauschbar und gehört nicht wirklich dazu.“

Aus meiner Sicht ist das nicht nur menschlich schwierig, sondern auch unternehmenspolitisch unklug.

Wenn ich ein Team führen und motivieren soll, dann muss ich auch bei den Anlässen dabei sein, bei denen das Wir-Gefühl entsteht und gepflegt wird.


Was eine Einladung bewirkt

Werden Interim Manager bewusst zum Weihnachtsessen eingeladen, hat das mehrere positive Effekte:

  • Anerkennung: Das Unternehmen zeigt Wertschätzung für die geleistete Arbeit.

  • Integration: Der Interim Manager wird als Teil des Ganzen wahrgenommen, zumindest für die Zeit des Mandats.

  • Stärkung der Führung: Die Führungsperson ist beim Team, wenn es um Gemeinschaft und Kultur geht, nicht nur bei Zielvereinbarungen und Statusmeetings.

  • Klarheit: Die Botschaft ans Team lautet: „Diese Person trägt Verantwortung und gehört daher selbstverständlich dazu.“

Gerade weil ein Mandat zeitlich befristet ist, ist es umso wichtiger, in dieser Zeit voll integriert zu sein, fachlich wie sozial.


Und aus Sicht des Interim Managers?

Auch wir Interim Manager haben ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit, zumindest auf Zeit.

Wir investieren viel Energie, bringen Erfahrung und oft auch unbequeme Entscheidungen mit. Umso wichtiger ist es, dass wir auch die menschlichen Momente mit dem Team erleben dürfen: Lachen, lockere Gespräche, ein gemeinsamer Jahresrückblick.

Das macht die Zusammenarbeit im Alltag leichter und erhöht am Ende auch die Wirksamkeit des Mandats.